Gießen, Deutschland
Drytoolen am Spitzbunker
Was für ein verrückter Ort zum Drytoolen – mitten in der Stadt, in der Mitte Deutschlands!
Am Spitzbunker klettern wir mitten in der Stadt an einem 20 Meter hohen denkmalgeschützten Beton-Luftschutzbunker, der während des Zweiten Weltkriegs bei Luftangriffen bis zu 400 Menschen Schutz bot. In Gießen gibt es acht dieser Luftschutzbunker. Einer davon rückte 2001 in den Fokus der regionalen Kletterszene und wurde – damals zum Sportklettern – im Rahmen eines Projektes der Universität Gießen (Fachbereich Sportwissenschaft, gemeinsam mit DAV und GSW) zu einer Outdoor-Kletteranlage hergerichtet und mit Umlenkgerüsten, Bohrhaken und Klettergriffen ausgestattet.
Eine Drytooling-Szene existierte zu dieser Zeit noch nicht. Allerdings nutzten vereinzelte Eiskletterer illegale Möglichkeiten zum Drytoolen an exponierten Gebäuden in der Region, um sich für die Eisklettersaison in Form zu bringen.
Schwere Zeiten schaffen kreative Freiräume
Zwanzig Jahre später, im Winter 2020 und während des ersten Covid-Lockdowns kam mir die Idee, den Spitzbunker zum Drytoolen weiterzuentwickeln. Zusammen mit Bärbel Wullenweber haben wir beide die ersten Drytooling-Routen eingeflext und gebohrt. Daraus entwickelte sich ein sehr produktiver und kletterreicher Winter. Die örtlichen Kletterhallen waren aufgrund der hohen Covid-Infektionszahlen geschlossen und es gab zu der Zeit Reisebeschränkungen, die meisten Kletterer saßen also zuhause fest. Wir dagegen hatten ein tolles Projekt, am Bunker kletterten wir im Freien, hatten viel Zeit und waren kreativ beim Gestalten von neuen Drytooling-Routen. So haben wir auch dieser schwierigen Zeit etwas Sinnstiftendes und Positives abgewinnen können. Seit dieser Zeit ist es unser Ziel, mit immer neuen Ideen das Drytooling in unserer Region weiter voranzubringen.
Die Drytooling-Community wächst!
Eine große Verbesserung in den Folgejahren bot sich durch die Erweiterung mit Edelstahl-Placements, die komplexe und athletische Bewegungen ermöglichen und das Drytooling am Spitzbunker technisch anspruchsvoller machen. Da es am Bunker keine überhängenden Wandbereiche gibt, erreichen wir die Schwierigkeiten durch kleinste Placements, oft im Millimeterbereich. Stellenweise werden winzige Placements mit dem ganzen Körpergewicht gezogen – daraus ergeben sich psychisch fordernde Routen mit einem faszinierenden Mix aus filigranen und brachialen Kletterbewegungen. Mit den vielen interessanten Möglichkeiten entstand zeitgleich auch eine Drytooling-Community, die stetig größer wurde. Nachdem wir etliche schöne Routen eingerichtet hatten, kam die Idee für eine Drytooling-Veranstaltung auf.
DRYTOOLING WINTER OPENING
Was für ein verrücktes Event! 2021 fand das DRYTOOLING WINTER OPENING als erstes und einziges Drytooling Event in Deutschland statt. Von außen betrachtet sicher eines der sonderbarsten Kletterveranstaltungen im ganzen Land: An einem Wochenende klettern 60 – 80 Kletterer mit Eisgeräten und Steigeisen an einem Betonbunker – und haben einen unglaublichen Spaß daran. Die Veranstaltung hat sich über die Jahre von einem lokalen eintägigen Kletterfest zu einem zweitägigen Kletterevent mit Workshops, Drytooling-Wettbewerb, Materialverleih und bundesweitem Come-Together der Drytooling-Szene entwickelt – mit Gästen aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Das Event steht mittlerweile fest im Kalender vieler Kletterer.
Eckdaten
Erstmal die Lage checken:
Adresse:
Kletterbunker in Gießen
Schwierigkeit:
D4 – D8
Ausrüstung:
40 m Einfachseil, 8 – 10 Exen.
Weitere Infos:
» Event-Website zum DRYTOOLING WINTER OPENING (www.drytooling-winter-opening.de)
» Topo „Klettern am Spitzbunker“














