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Tipps’n’Tricks

Orientierung

Unterwegs mit GPS, Karte, Planzeiger, Kompass und Höhenmesser.

In diesem Artikel geht es um die gängigen Hilfsmittel zur Orientierung, ihre jeweiligen Vor- und Nachteile sowie zahlreiche Tipps, wie man das Beste aus den unterschiedlichen Systemen herausholt.

Bei der Orientierung unterscheiden wir generell zwischen der Standortbestimmung (Wo bin ich? Was sehe ich in der Ferne?) und der Navigation (Wie komme ich ans Ziel?). Für beide Aufgaben muss ich in der Lage sein, mich orientieren zu können. Dazu kommt der Faktor Zeit, der in den Bergen immer eine große Rolle spielt. Eine gute Orientierung sowie der routinierte Umgang mit den verschiedenen Geräten erlaubt ein zügiges Vorwärtskommen, ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor und daher von großer Bedeutung. Hier nun ein Überblick der verschiedenen Systeme und Hilfsmittel mit ihren Vor- und Nachteilen:

Topografische Karte und Planzeiger

Der unschlagbare Vorteil der klassischen topografischen Papierkarte ist ihre aufgefaltete Größe, die es ermöglicht, großräumige Flächen und kleinräumige Details zeitgleich miteinander zu verknüpfen. Dadurch kann man sich sehr schnell und umfassend einen Gebietsüberblick verschaffen, die „Landkarte im Kopf“.

Dies ist bei der Ansicht eines kleinen Kartenausschnittes auf einem Display – egal ob Smartphone oder GPS-Gerät – nicht möglich, da Details erst beim hineinzoomen sichtbar werden, dabei aber gleichzeitig die Übersicht verloren geht. Man muss also ständig ein- und auszoomen, was die kognitive Geländeübersicht bei digitalen Geräten enorm erschwert.

Bei der Standortbestimmung geht es darum, das reale Gelände gedanklich mit der abstrakten zweidimensionalen Darstellung des Kartenbildes in Einklang bringen. Ein solider Umgang mit der Karte und das Verständnis der dargestellten Informationen sind die Grundvoraussetzungen bei der Orientierung: Unterschiedliche Koordinatensysteme kennen, Höhenlinien/Isohypsen und Äquidistanzen richtig lesen, Geländeformen und -steilheit deuten, Signaturen, Zeichnungen, Schummerung erkennen – all das muss beherrscht werden. Vor allem bei der Tourenplanung ist die Zuhilfenahme des Planzeigers zur Auswertung der Distanzen und Richtungswinkel eine wertvolle Unterstützung.

Tourenplanung zu Hause

Kompass

Der Kompass mit Peilfunktion (genauer Bussole) zur Bestimmung der Richtzahl/Marschzahl ist das unkaputtbare Arbeitstier für die Navigation und deshalb unverzichtbar. Er benötigt keinen Strom und ist bei widrigsten Verhältnissen mit Handschuhen auch im Dauereinsatz zuverlässig in der Anwendung.

Die Nachteile liegen in der zu beherrschenden Missweisung, möglichen Parallaxe-Fehlern und der magnetischen Störanfälligkeit.

Höhenmesser

Er hat im Gelände in Bezug auf das Handling die gleichen Vorteile wie ein Kompass. Sobald das Gelände steiler wird, ergänzt/ersetzt der Höhenmesser den Kompass bei der Orientierungsarbeit – in flachem Gelände ist also ein Kompass relevant, in einer senkrechten Wand der Höhenmesser. In hügligem bis bergigem Gelände ist die Kombination beider Geräte sehr hilfreich.

Die Nachteile liegen in der Ungenauigkeit bei wechselndem Luftdruck und der Notwendigkeit zum Nachkalibrieren.

Orientierung im freien Gelände

Kompass und Höhenmesser ergänzen die Möglichkeiten, sich im offenen Gelände effizient zurechtzufinden: Peilvorgänge (Vorwärts-Einschneiden, Rückwärts-Einschneiden, Seitwärts-Abschneiden) mit Höhenmesser und Kompass/Bussole zu markanten Geländepunkten wie Gipfel, Scharten oder Gletschern ermöglichen eine Orientierung in unbekanntem Gelände. Die Navigation mit Richtzahl ist eine gute Möglichkeit, sich bei schlechter Sicht vorwärts zu bewegen.

GPS-Gerät

Der unschlagbare Vorteil liegt in der Standortbestimmung bei schlechter Sicht in undefinierbarem Gelände wie Gletscher oder unkupierten Eislandschaften. Das GPS (Smartphone oder Einzelgerät) ist damit quasi der Lückenschluss zur optimalen Orientierung.

Der Vorteil reiner GPS-Geräte (Garmin etc.) liegt in der Tatsache, dass das Empfangen von Koordinaten und deren Darstellung die alleinigen Features solcher Geräte sind und sie für nichts anderes Strom verbrauchen. Dadurch sind sie sehr effizient im Verbrauch, auch bei kalten Temperaturen. Die Geräte sind für den harten Wintereinsatz optimiert und mit Handschuhen gut zu bedienen (hier versagen Smartphones völlig).

Die Nachteile (im Vergleich zur Topografischen Karte und Kompass) liegen neben Gewicht und zusätzlichem Platzbedarf in der Tatsache, dass elektronische Geräte stromabhängig sind und somit komplett ausfallen können – je nach Gelände und Situation mit fatalen Folgen.

Smartphone mit GPS-Funktion

Für Smartphones gibt es heute hervorragende Software (OruxMaps für Android) und eine weltweit große Auswahl an ständig aktuellen Offlinekarten (AndroidMaps und MapsForge). Als Multifunktionsgerät kann man mit dem Smartphone kommunizieren und navigieren, was in Bezug auf Platzbedarf und Gesamtgewicht sehr positiv ist.

Die Nachteile liegen in der Komplexität der Einstellungen (Setup), Empfindlichkeit und Handling (Design). Für eine präzise Bedienung kommt man nicht drumherum, die Handschuhe auszuziehen. Bei extremen Bedingungen wie starkem Wind (Handschuhverlust), Feuchtigkeit und Kälte (Erfrierungen) kann dies schlimme Folgen haben. Ein weiterer Nachteil ist der erhöhte Stromverbrauch bei fehlender Kontrolle, wenn Sensoren und Empfangsmodule den Akku ungewollt leerpumpen. Bestenfalls kann man das Smartphone mit einem Powerbank nachladen, was im komplexen Gelände aber die Nutzung weiter einschränkt.

Egal ob Smartphone oder Standalone-Device: Das GPS zur Orientierung baut auf die klassische Orientierung auf und bietet dadurch ein Plus an Sicherheit: Die Standortbestimmung bei schlechter Sicht oder in unkupiertem Gelände ist eine effiziente Art der Orientierung. Einprogrammierten Tracks folgen oder per Track-Back-Funktion wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren zu können, sind die herausragenden Merkmale.

Interessante Feldversuche

An der Universität in Kiel wurden Versuchsgruppen (aufgeteilt in Gruppen „nur mit Stadtkarten“ und „nur mit Navigationsgeräten“) in fremden Städten mit einer Liste von anzulaufenden Punkten losgeschickt. Die Stadtkarten-Gruppen waren in allen Fällen schneller am Ziel, was auf einen besseren Orientierungsüberblick bei der Verwendung mit den Karten zurückzuführen ist.

Auch die Marine der Bundeswehr bildet ihre Matrosen wieder vermehrt am Sextanten aus. Nach Jahren der überwiegend digitalen Navigation hat man festgestellt, dass die Soldaten nicht mehr so fit in der Navigation waren wie früher. Ein Schritt zurück – zwei Schritte vorwärts.

Fazit

» Je nach dem, unter welchen Bedingungen man in einem bestimmten Gelände unterwegs ist, spielen die verschiedenen Orientierungsmittel ihre Vorteile aus. Optimal ist die geschickte Ausnutzung der jeweiligen Vorteile der analogen und digitalen Systeme mit dem Ziel, einen bestmöglichen Überblick eines Gebietes zu bekommen, um sich gut orientieren zu können. Der zentrale Satz lautet: Man muss wissen, wo man sich befindet um zu wissen, wo es lang geht (wie im richtigen Leben).

» Darüber hinaus sollte man auf Notfälle eingestellt sein. Die topografische Karte kann im Wind wegfliegen, das GPS kann herunterfallen und kaputt gehen, der Akku geht leer oder man hat keine Kontrolle über die Funktionen des Smartphones. Beide Systeme kann man verlieren. Ein Backup kann lebenswichtig werden! Den Verlust der Karte kann man mit einem Backup (Foto der Papierkarte) auf dem Smartphone kompensieren. Perfekt ist, wer mit allen Geräten souverän umgehen kann.

» Noch ein Tipp für Unterwegs: Der regelmäßige Umgang mit der topografischen Karte lehrt ein besseres Orientierungsvermögen. Das nutzt einem dann auch im Falle ohne Karte oder GPS, sich in einer Umgebung zurecht zu finden. Wenn all das nicht mehr möglich ist, gibt es noch die natürlichen Orientierungshilfen wie Polarstern, Sonnen- und Mondstand, Wechten und Gletschertische – aber das ist ein ganz anderes Thema.

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