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Tipps’n’Tricks

Eisklettern

Einfache Tricks zum Eisklettern oder: wie werde ich ein besserer Kletterer.

Neben der permanenten Verbesserung Deines Karmas gibt es auch beim Eisklettern viele kleine Details, an denen es sich zu arbeiten lohnt. In den letzten Jahren habe ich mit vielen verschiedenen Seilpartnern die Eisgeräte geschwungen. Dabei gefällt mir die Idee, meinen Kletterstil im Eisfall mit verschiedenen Techniken stetig zu verbessern, um dadurch Kraft zu sparen und gleichzeitig mehr Sicherheitsreserven zu gewinnen. In dieser Rubrik stelle ich verschiedene Techniken und Aspekte vor, an die ich beim Klettern denke oder die ich viel bei anderen sehe.

Verklemmte Eisgeräte

Wenn Du ein Eisgerät im Eis verklemmt hast, liegt das in der Regel daran, dass beide Tools auf der gleichen Höhe eingeschlagen sind. Tu das besser nicht, denn Du verschwendest dadurch nur unnötig Kraft und Zeit! Außerdem macht es Dich im Vorstieg unsicherer, da Du nun ein Eisgerät aus dem Eis arbeiten musst, das zu weit seitlich eingeschlagen ist.

» Besser ist es, Du schlägst die Eisgeräte 30 bis 60 cm vertikal und maximal schulterbreit voneinander ein.

Fragile Kletterposition

Ausgangssituation für jeden Schlag sollte eine solide Position mit beiden Beinen sein. Denke immer daran! Sobald Du mit einem Fuß schlecht stehst, werden Deine Schläge unpräziser und Du manövrierst Dich in eine unstabile Position, an deren Ende Du mit beiden Beinen schlecht stehst, ein Eisgerät schlecht platziert hast und dann mit dem anderen zu einem neuen Schlag ansetzt – eine gefährliche Situation und keine kontrollierte Bewegung mehr.

» Bring Dein Körpergewicht am Ende eines Schlages wieder auf beide Beine und drücke die Hüfte Richtung Eis. Die meisten Kletterer machen das nicht und müssen dadurch mehr Armkraft aufbringen.

Zugelaufene Unterarme

Wenn Du nicht gerade ein Anfänger bist, Dir aber häufig beim Klettern die Unterarme zulaufen, liegt das oft daran, dass sich beide Beine nicht auf gleicher Höhe befinden oder Du nicht solide stehst.

» Solange die Beine solide stehen, müssen Deine Unterarme nicht verkrampfen. Außerdem kannst Du Dich oft in eine optimale Position zu den Eisgeräten bringen, in dem Du kleine, aber dafür mehr Schritte machst.

Das Eisgerät voll im Griff

Viele Kletterer halten ihre Eisgeräte zu starr und können sie deshalb nicht richtig schwingen. Das Problem hierbei: aus einem schlechten Schlag ergibt sich oft eine unsichere Platzierung.

» Während ich mich am Eisgerät festhalte, bilden Handrücken und Unterarm eine Linie. Für eine optimale Schlagbewegung ist es jedoch wichtig, dass ich das Handgelenk etwas zurückdrehen (30° – 40°). Die Fingerknöchel sollten idealerweise so weit wie möglich nach außen stehen. Nun lässt sich das Handgelenk für den Schlag besser kippen. Wenn das Eisgerät dann platziert ist, drehe ich die Hand wieder nach innen (Handrücken und Unterarm in einer Linie), um mich möglichst kraftsparend am Eisgerät festzuhalten. Zwischen Bewegung/Schlag und Haltearbeit drehe ich also die Hand permanent hin und her.

Optimale Schlagbewegung

Die meisten Eiskletterer ziehen den Ellenbogen während des Schlages nach unten, was zu einer unpräzisen Bewegung führt, Kraft verschwendet und die vertikale Reichweite verringert. Noch schlimmer ist der „chicken wing swing“: hier wird der Ellenbogen beim Schlag nach außen gezogen und die Haue schulterhoch eingeschlagen.

» Versuche beim Schlagen die Bewegung des Ellenbogens möglichst hoch ausführen und dabei die Haue, den Kopf und Schaft des Eisgerätes in einer Linie mit der Vorhand und dem Unterarm zu führen. Es geht darum, die Haue schnell und exakt einzuschlagen! Im Moment des Einschlags gibst Du dem Eisgerät aus dem Handgelenk einen Impuls nach vorne, wodurch sich die Haue solide ins Eis setzt.

Vorhandene Eisstrukturen nutzen

Hinschauen, hinschauen und noch mal hinschauen!

» Schau Dir das Eis und dessen Struktur genau an. Setze Deine Eisgeräte in Mulden, Ecken und zwischen Eiszapfen oder hake die Geräte in Taschen ein. Die Steigeisen kannst Du danach oftmals in die gleichen Löcher setzen. Wichtig ist in jedem Fall, dass Du Dir das Eis bei jedem Schlag und Tritt genau anschaust.

Angepasste Ernährung

Die Vorteile leichter mediterraner Kost kommen im Winter beim Eisklettern nicht zum Tragen. Der Energieverbrauch ist hier enorm: man bewegt sich den ganzen Tag in der Kälte, viele Stunden direkt vor einer Eiswand. Mit Blattsalat und Radieschen-Scheibe kommt man da nicht weit. Ich stelle meine Ernährung deshalb während der Eisklettersaison auf fleischhaltige Nahrung um. Fleisch enthält besondere Enzyme, die den Stoffwechsel aktivieren und vom Körper in Wärme umgesetzt werden.

» Neben Hafer-Riegeln und Power-Gels haben sich Würste für zwischendurch als optimal herausgestellt – sie sind bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch gut zu kauen und geben die nötige Energie für einen Tag in der Kälte.

Die richtige Bekleidung

Eisklettern ist eine Stop-and-Go-Wintersportart (Klettern/Sichern unter dem Gefrierpunkt und meist im Schatten) mit langen Zeiträumen, in denen der Körper wenig bewegt wird. Ein wichtiger Aspekt, den viele Anfänger nicht bedenken!

Die Ursache für einen durchgefrorenen Tag ist oft viel zu dicke Bekleidung im Zustieg und beim Klettern, da dann der Körper schnell überhitzt, verstärkt schwitzt und im Anschluss auskühlt.

Das Ergebnis daraus: Unnötiges Frieren beim Sichern am Standplatz und Verspannungen mit daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen.

» Fazit: wer schwitzt, friert! Im Zustieg und beim Klettern deshalb so dünn wie möglich anziehen (evt. Windschutz gegen Auskühlung), um möglichst wenig zu schwitzen (vor allem bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt). Wechsle gegebenenfalls am Einstieg in ein trockenes T-Shirt. Wenn Du trocken bleibst, muss Dein Körper nicht so viel Energie aufbringen, um warm zu bleiben. Wenn es sehr kalt ist, macht beim Sichern eine zusätzlich Daunenjacke Sinn.


Meine Empfehlung

Ich habe schon viele Eiskletter-Neulinge gesehen, die nach einem Wochenende alles hingeschmissen haben, an dem sie vier Seillängen geklettert sind und sich den Hintern abgefroren haben. Schade …

Deshalb kann ich jedem nur empfehlen: viel üben, üben und nochmals üben – ohne und mit Steigeisen, ohne Eisgeräte, mit nur einem Eisgerät, etc. Klettere vor allem viel im Nachstieg, um Erfahrungen mit verschiedenen Eisstrukturen, deren Beschaffenheit bei unterschiedlichen Temperaturen und dem korrekten Umgang mit Steigeisen und Eisgeräten zu sammeln. Das schafft Routine, somit Schnelligkeit und führt zu mehr Sicherheitsreserven.

Der Schritt vom Nachstieg zum Vorstieg ist im Eis groß – nicht zuletzt wegen der erhöhten Verletzungsgefahr. Ein gutes Nervenkostüm kann dann im Vorstieg nicht schaden.

Es liegt in der Natur der Dinge, dass der Mensch per se am Eis schlecht haftet. Außer er friert fest, was wir keinem wünschen.

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