EN

Tipps’n’Tricks

Wetterprognose

Seriöse Wettervorhersage leicht gemacht.

Wir alle nutzen heutzutage Wetter-Apps, um eine Idee für das Wetter in der nahen Zukunft zu bekommen. Aber wie zuverlässig sind solche Programme, wo liegen ihre Grenzen? Und warum unterscheiden sich die Vorhersagen der Apps untereinander?

Die klassische Wettervorhersage im Fernsehen

In weniger als einer Minute wird uns jeden Abend im Fernsehen zur teuersten Sendezeit (gegen 20:15 Uhr) das Wetter für die kommenden Tage vorhergesagt, und zwar über die Fläche der gesamten Bundesrepublik, manchmal noch mit Teilen der nördlichen Alpen. Die Vorhersage ist hier natürlich entsprechend grob gerastert.

Um nun aber ein Gefühl für die Wahrscheinlichkeit der Vorhersage zu bekommen, benötigt es ein generelles Verständnis über die Großwetterlage (aktuelles Wetter), den gewünschten Ort (Präzisierung), die Topografie vor Ort (in den Bergen sehr interessant) und das Wissen, wie eine Vorhersage überhaupt zustande kommt (Berechnung der Wettermodelle). Darüber hinaus sollte man wissen, dass es kommerzielle und nichtkommerzielle Vorhersagen gibt (mehr dazu weiter unten).

Verschiedene Wettermodelle

Grundsätzlich ist die aktuelle Großwetterlage die Basis für jede Prognose. Sie wird per Wetterradar bestätigt. Wetterradare können aber nur die vergangene und momentane Wetterlage (Istwert) abbilden. Wetterstationen liefern Messwerte für computergenerierte Wettermodelle. In diese Wettermodelle fließen die Daten des vergangenen (realen) Wetters, vorherigen (virtuelle) Berechnungen und die aktuellen (realen) Messwerte der Wetterstationen ein. Zudem werden abweichende (virtuelle) Berechnungen entsprechend gewichtet (unterschiedliche Eingangsvariablen). Die Ergebnisse werden mehrmals täglich veröffentlicht.

Es gibt zahlreiche Wettermodelle von unterschiedlichen Instituten. Vier der wichtigsten Modelle sind GFS/NOAA (Global Forecast System mit 22 km Auflösung), ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts mit 9 km Auflösung), ICON/DWD (Deutscher Wetterdienst mit 7 km Auflösung) und NEMS/Meteoblue (mit 4 km Auflösung).

» Häufig sind Vorhersagen sehr genau, manchmal weniger genau und manchmal völlig falsch. Abweichungen unter den verschiedenen Modellen deuten auf Unsicherheiten in der Wettervorhersage hin. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Abweichungen in einem einzelnen Wettermodell nicht zu sehen sind – man benötigt also Zugang zu verschiedenen Modellen!

Die Wahrheit über kommerzielle Wetter-Apps

Jeder kennt die folgende Situation: Bei der Tourenplanung kommt irgendwann eine Aussagen wie: „Meine Wetter-App sagt mir, das es morgen am Zielort schönes Wetter geben soll“. Eine andere App kommt womöglich zu einer anderen Prognose. Wie kommt es dazu?

Jede Wetter-App greift auf ein bestimmtes Wettermodell zu und zeigt dessen Berechnung in einer aufbereiteten Form an. Da nun die verschiedenen Wettermodelle mit unterschiedlichen Datengrundlagen und Eingangsvariablen arbeiten, kommen am Ende auch verschiedene Interpretationen zustande. Diese Informationen werden entsprechend verdichtet und als Wettersymbole (im besseren Fall Meteogramme) dargestellt, welche die Vorhersage für einen gewissen Zeitraum abbilden.

» Seriöse Vorhersagen sind heute bis maximal drei Tage im Voraus berechenbar, je nach Wetterlage aber auch nur für die kommenden sechs Stunden.

Was bedeutet eine Regenwahrscheinlichkeit von 63%?

Ganz einfach: Es bedeutet, dass an 63 von 100 Tagen mit solch einer Wetterlage Regen fällt. Wie kommt aber diese genaue Zahl zustande? Computer lesen die Daten der Wetterstationen aus und berechnen, wann es in der Vergangenheit wo genau bei welcher Wetterlage geregnet hat. An 63 von 100 Tagen mit identischer Wetterlage hat es in diesem Fall in der Vergangenheit binnen 24 Stunden einmal Niederschlag gegeben, an den 37 restlichen Tagen blieb es jedoch trocken!

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Für den Harz wird eine Regenwahrscheinlichkeit von 63% vorausgesagt. Wo ist die Wahrscheinlichkeit für einen Regenschauer nun größer – auf dem Brocken (mit 1141 m höchster Punkt im Harz) oder in Goslar auf 255 m Höhe (15 km nördlich vom Brocken im Harz gelegen)?
Durch die Topografie wird es auf dem Berg natürlich viel eher regnen, während es in Goslar mit größter Wahrscheinlichkeit trocken bleibt.

Über die Menge des Niederschlags, den Zeitraum (Schauer oder Dauerregen) oder ob es regnet, hagelt oder schneit, gibt die Regenwahrscheinlichkeit übrigens keine Auskunft.

» Zahlen lassen sich in kommerziellen Wetter-Apps einfach gut verkaufen.

Wet bias (Regenverzerrung)

Als „Wet bias“ bezeichnet man den Vorgang von Meteorologen, Regenwahrscheinlichkeiten (meist niedrige Wahrscheinlichkeiten von Niederschlag) in der Wettervorhersage höher anzugeben, um damit die Interpretation der Nutzer zu kompensieren (eine 5%ige Wahrscheinlichkeit wird dann als eine 20%ige vorhergesagt).

» Wir sind hier im Bereich der Wetterpsychologie.

Verschiedene Qualitäten der Vorhersage

» Wetterberichte (Beispiele: chamonix-meteo.com, meteoschweiz.ch, dwd.de, alpenverein.de):

Tägliche Interpretation der Großwetterlage (Istwert) und Wettermodelle (Sollwert) von professionellen Meteorologen bieten eine hohe Qualität und Zuverlässigkeit der Vorhersage.
Die Interpretation der Wettermodelle kann mit entsprechender Erfahrung und Wissen über das Gebiet auch selbst gemacht werden.

» Meteogramme (Beispiele: meteoblue.com, yr.no, wetterzentrale.de):

Mit einem Meteogramm können Tendenzen und zeitliche Verläufe abgebildet werden. Dies ermöglicht viele Vorhersageinformationen auf kleinem Raum/Display übersichtlich darzustellen.

» Wettersymbole (Beispiele: wetter.com, wetteronline.de):

Einfache Wettersymbole in einer Wetter-App stellen die unterste Qualitätsstufe der Vorhersage mit der größten Ungenauigkeit und den meisten Unsicherheiten dar.

Die Grenzen der Vorhersage

Zugbahnen von Gewitter führen zu kleinräumigen oder zeitlichen Verschiebungen. Dünne Schichtwolken werden nicht erfasst und verfälschen sonnige oder neblige Bedingungen. Die Topografie in Bergen/Tälern mit ihren Höhen- und Temperaturunterschieden ist eine weitere große Herausforderung für Wettervorhersagen.

Mehr lesen

Infos zum Thema Basislager